Meeressäuger

in Norwegen

Durch unsere seit 2003 bestehende Forschung konnten wir 13 verschiedene Meeressäugerarten identifizieren, die im Vestfjord waren:

Finnwal

Balaenoptera physalus

Nördliche Population wandert jährlich von den Äquator-Gebieten (z. B. Azoren) zu der Barentssee. Finnwale kommen an die nordnorwegische Küste von Juni-Juli und verlassen Nordnorwegen spätestens im Februar, nach dem Heringfressen im Winter. Im Vestfjord sieht man Finnwale zwischen Juni und September, entweder alleine, als Mutter-Kalb-Paare oder in Gruppen von mehr als 15 Tieren.

Gruppenformation: Solitär-kleinere Gruppen (2-15 in losen Verbänden, Gruppen > 100 an Fressplätzen)
Grösse: Männchen 18-20 m, Weibchen 20-25 m, Neugeborenes 6,5 m
Gewicht: 40-80 t, Neugeborenes 1,8 t
Blas: ca. 6 m, eng
Alter: 90-140 Jahre
Geschlechtsreife: 6-12 Jahre
Voll ausgewachsen: 20-30 Jahre
Trächtigkeit: 12 Monate, 2-3 Jahre zwischen den Geburten
Säugezeit: 6-7 Monate
Nahrung: hauptsächlich Krill, aber auch kleine Schwarmfische
Verbreitung: Nördliche und Südliche Hemisphären Unterarten, weltweit von tropischen zu polaren Gewässern
Populationsgröße: global ca. 100.000-190.000, vom Walfang sehr reduziert
Conservation Status: Endangered A1d ver 3.1, Pop. trend: unbekannt
Bedrohungen: Schiffskollisionen, Walfang (Island, Grönland, Japan), Plastikvermüllung der Meere, Lärmeinfluss von seismischen Untersuchungen oder Militärsonar, Überfischung (e.g. Krill in der Antarktik)

Buckelwal

Megaptera novaeangliae

Norwegen: Wanderung von den Vermehrungsgebieten in den Cap Verden und der Karibik zu den Nahrungsgebieten in Nordnorwegen und der Barentssee, die ersten Tiere erreichen Nordnorwegen Ende Mai und verlassen es spätestens im Februar (nachdem sie sich von Hering ernährt haben)

Gruppenzusammensetzung: einzelgängerisch – gesellig (Mutter-Kalb-Paar in männlicher Begleitung, größere Fressgemeinschaften)
Größe: Männchen 13 – 14 m, Weibchen 15 – 16 m, Neugeborene 6 m
Gewicht: Männchen 28 t, Weibchen 33 t, Neugeborene 2 t
Blas: 3 –  6 m
Alter: 45-100 Jahre
Geschlechtsreife: Männchen 7 Jahre, Weibchen 5 Jahre
Voll ausgewachsen: ca. 20 Jahre
Trächtigkeit: 11 – 12 Monate, 2 – 3 Jahre zwischen zwei Geburten
Säugezeit: 6 – 7 Monate
Nahrung: Krill, kleine Schwarmfische wie Atlantischer Hering, Atlantischer Lachs, Lodde, Amerikanischer Sandaal, Atlantische Makrele, Seelachs und Schellfisch im Nordatlantik
Verbreitung: Weltweit, 4 Populationen im Nordatlantik, Nordpazifik und in der Südsee
Populationsgröße: Weltweit ca. 80.000, stark bejagt (Bestand um 90 % reduziert)
Schutzstatus: Least Concern ver 3.1, Populationsentwicklung: steigend
Bedrohungen: Schiffskollisionen, Walfang (Grönland, Japan, karibische Insel Bequia gehörend zu St. Vincent und den Grenadinen), Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen oder Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Zwergwal

Balaenoptera acutorostrata

Norwegen: Ankunft im Frühsommer (April), Vorkommen bis in den Herbst hinein (manchmal auch im Winter), Wanderrouten unbekannt.

Gruppenzusammensetzung: einzelgängerisch
Größe: Männchen 6 – 8 m, Weibchen 7-9 m, Neugeborene 2,5 m
Gewicht: 40 – 80 t, Neugeborene 1,8 t
Blas: 2 m, schlecht sichtbar
Alter: 50 – 60 Jahre
Geschlechtsreife: 6 – 8 Jahre
Voll ausgewachsen: 18 – 20 Jahre
Trächtigkeit: 10 Monate, Nachwuchs alle 2 Jahre
Säugezeit: 5 – 10 Monate
Nahrung: In den nördlichen Regionen vornehmlich Krill, aber auch Hering und Kapelan
Verbreitung: Weltweit verbreitet mit nördlicher und südlicher Population, Gewöhnliche Zwergwale finden sich üblicherweise in den Sommermonaten im Nordatlantik, die Migrationswege sind jedoch unbekannt.
Norwegen: Ankunft im Frühsommer (April), Vorkommen bis in den Herbst hinein (manchmal auch im Winter), Wanderrouten unbekannt.
Populationsgröße: Nordatlantische Population (Nordostatlantik, Zentral-Nordatlantik, West-Grönland und Kanadische Küste) ca. 182.000 – 190.000, stark bejagt.
Schutzstatus: Least Concern ver 3.1, Populationsentwicklung: stabil
Bedrohungen: Schiffskollisionen, Walfang (Island, Grönland, Japan), Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen oder Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Mittels dieses Videos veranschaulichen wir die Verschwendung eines hochintelligenten und langlebigen Tieres, das für kommerzielle Zwecke erlegt wurde. Wir lehnen Walfang und Robbenjagd weltweit ab!

Whaling in Norway from Ocean Sounds on Vimeo.

Pottwal

Physeter macrocephalus

Norwegen: Ganzjährige Sichtung von männlichen Tieren an den Futterplätzen entlang des Kontinentalshelfs von Nord-Norwegen bis Svalbard. Von Juni bis September auch Sichtungen im Vestfjord

Gruppenformation: Matrilinear strukturierte Gruppen (< 12), Gruppen, bestehend aus männlichen Jungtieren/solitär lebende Männchen 
Größe: Männchen 15-18 m, Weibchen 11 m, Neugeborenes 4 m 
Gewicht: Männchen 40-50 t, Weibchen 14 t, Neugeborenes 1 t
Blas: 2 m, 45° Neigung nach links-vorne, zweittiefster Taucher (90 min, 2200 m) 
Alter: > 80 Jahre
Geschlechtsreife: Männchen 18 Jahre, Weibchen 9-13 Jahre 
Voll ausgewachsen: Männchen 50 Jahre
Trächtigkeit: 14-16 Monate (alle 4 bis 20 Jahre) 
Säugezeit: 19 bis 42 Monate
Nahrung: Überwiegend Tintenfisch, Kraken, etwas Fisch
Verbreitung: Weltweit, bevorzugt eisfreie Gewässer an Abhängen der Kontinentalschelfe oder an Bergen mit einer Tiefe von mehr als 1000 m
Norwegen: Ganzjährige Sichtung von männlichen Tieren an den Futterplätzen entlang des Kontinentalshelfs von Nord-Norwegen bis Svalbard. Von Juni bis September auch Sichtungen im Vestfjord
Populationsgröße: unbekannt, stark bedroht (Bestand um 67% reduziert)
Schutzstatus: Vulnerable A1d ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Bedrohungen: Schiffskollisionen, Walfang (Japan, Indonesien), Meeresverschmutzung durch Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen, Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Schwertwal

Orcinus orca

Ein Teil der norwegischen Population des Atlantischen Herings (ca. 3,5 Mio Tonnen) wandert jedes Jahr in die Nähe der nordnorwegischen Küste, um den Winter dort zu verbringen. Im Januar und Februar ziehen sie weiter gen Süden zu ihren Laichgründen entlang der norwegischen Küste. Die restliche Zeit des Jahres verbringen sie in der offenen See und kehren im darauffolgenden Herbst an die Küste Nordnorwegens zurück.

Die Schwertwale in Norwegen ernähren sich von dem Heringsbestand und folgen diesem das ganze Jahr über; einige Gruppen verbringen die Sommermonate in den Fjorden und ernähren sich von Lachs, dem örtlichen Heringsbestand, Makrelen und Meeressäugern.

Die saisonalen Wanderrouten der Heringe unterliegen weitreichenden Schwankungen. Bis in die späten 60er Jahre befanden sich die Überwinterungsregionen in den küstenfernen Gebieten der norwegischen See. Nach einem Zusammenbruch der Population in Folge von Überfischung verlagerten sich die Überwinterungsgebiete in das Fjordsystem Nordnorwegens. Derzeit befinden sich die Überwinterungsregionen für die Monate Oktober bis März in Tromsoe, Senja und Anfjorden. In dieser Zeit versammelt sich eine große Anzahl an Schwert-, Buckel- und Finnwalen in diesen Fjorden. Schwertwale können auf den Lofoten von Mai bis September beobachtet werden, wo sie sich üblicher Weise von Lachs, Hering und Makrele ernähren.

Fakten
Zahnwal, größter Delphin, weltweite Verbreitung, Größe der Gesamtpopulation ist unbekannt 
Alter: Weibchen 80 – 103 Jahre; Männchen 50 – 60 Jahre
Größe: Voll ausgewachsen mit 20 – 25 Jahren. Weibchen 5,8 m (max. 7,9 m), Rückenflosse 0,8 m;  Männchen 6,6 m (max. 9,1 m), Rückenflosse 1,5 – 2 m.
Gewicht: Männchen 4.000 – 5.500 kg, Weibchen 2.500 – 5.000 kg
Geschlechtsreife: 8 – 17 Jahre, wenn 5,5 – 6,1 m Länge erreicht (Weibchen 15 Jahre, Männchen 15 – 20 Jahre)
Voll ausgewachsen: Männchen 25 Jahre, Weibchen 15 Jahre
Vermehrung: Ein Junges alle 3 bis 4 Jahre; Tragzeit ca. 16 – 17 Monate mit während der Monate Juli bis September unterbrochener Entwicklung des Embryos. Geburten können das ganze Jahr über stattfinden, Hauptzeit ist im Spätherbst und Frühwinter. Ein Weibchen bekommt  4 bis 6 Junge in einer Zeitspanne von 25 Jahren, bis es 40 Jahre alt ist. Nach der reproduktiven Zeit leben die weiblichen Tiere noch weitere 20 Jahre, vermutlich, um für ihre Nachkommen und ihre Gruppe zu sorgen. Neugeborene Schwertwale haben eine Länge von 1,8 – 2,2 m und ein Geburtsgewicht von ca. 180 kg. Die Mutter säugt das Junge über ein Jahr lang.
Gruppenstruktur: Schwertwale haben sehr starke soziale Bindungen. Die Jungtiere beiderlei Geschlechts verlassen niemals ihre Mutter und verbringen ihr ganzes Leben lang in kleinen Familienverbänden. Die Männchen paaren sich mit den Weibchen anderer Gruppen, auf diese Weise sind die männlichen Tiere in der Gruppe nicht die Väter der Jungtiere, jedoch ihre Brüder, Vettern und Onkel. Die kleinste soziale Einheit besteht aus 6 – 15 Tieren, einer matrifokalen Gruppe, bestehend aus dem Muttertier und dessen Nachkommen (beiderlei Geschlechts).
Pod: Mehrere verwandte matrifokale Gruppen zusammen, die ca. 50 % ihrer Zeit miteinander verbringen.
Clan: Matrifokale Gruppe mit gleichem Lautrepertoire (“Dialekt“) und allesamt miteinander verwandten Mitgliedern.
Gemeinschaft (Community): Verschiedene Gruppen, die zumindest einmalig miteinander beobachtet werden konnten. Mitglieder verschiedener Communities scheinen weder miteinander zu schwimmen, noch sich untereinander zu vermehren (bspw. nördliche und südliche ortstreue Wale in Britisch-Kolumbien, Kanada).
Population: mind. 50.000
Schutzstatus: Data Deficient ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Wandern/Ziehen: Alle Tiere der Gruppe bewegen sich in dieselbe Richtung, entweder in einer Linie oder in Gruppen.
Nahrungsaufnahme: Schwertwale haben eine breites Beutespektrum (von Fisch bis zu Meeressäugern) und scheinen sich zu spezialisieren, wenn nährstoffreiche Nahrung verfügbar ist. In Norwegen ernähren sich Schwertwale hauptsächlich von Hering, aber auch von Lachs, Makrele, Vögeln und Seehunden.

Es gibt mehrere belegte Strategien der Jagd auf Heringe:

  1. Karussell-Jagd (Carousel feeding): Die Wale treiben die Heringe nahe an der Oberfläche zu einem dichten Ball zusammen und betäuben sie mit Schlägen ihrer Schwanzflossen. An der Wasseroberfläche können springende Fische, Schuppen und betäubte Heringe zu sehen sein.
  2. Jagd unterhalb der Wasseroberfläche (Subsurface feeding): Die Wale schwimmen in einem begrenzten Bereich vor und zurück, an der Wasseroberfläche sind Aktivitäten zu beobachten, wie Springen oder Schläge mit der Schwanzflosse (ebenso beim Fressen von Makrelen).
  3. Jagd während des Schwimmens (Travel feeding): Die Tiere ziehen in einer Linie in loser Formation umher, gelegentlich halten sie und fressen individuell.
  4. Fressen aus Schleppnetzen (Seine fishing feeding): Schwertwale folgen Booten, die mit Netzen nach Hering fischen und fressen die über Bord zurück ins Meer geworfenen Fische. Dieses Verhalten hat in den letzten Jahren aufgrund der steigenden Fangquoten für Hering und der gestiegenen Zahl an Fischerbooten zugenommen.
  5. Lachsfang (Salmon feeding): In loser Formation scannt die Gruppe das Fjord mittels Echoortung, Fänge erfolgen individuell oder in Kleingruppen, Sprünge und Abschlagen des Körpers auf dem Wasser (Breaching), um den Lachs zu töten, sind üblich.

Sozialverhalten (Die Tiere befinden sich durchgehend in sozialer Interaktion!): Die Wale vollziehen eine Vielzahl physischer Interaktionen und Verhaltensweisen oberhalb der Wasseroberfläche, wie Sprünge, das Recken des Kopfes über Wasser (sog. spy hopping), Kopfstände, Heben der Schwanzflosse über die Wasseroberfläche und Flossenschläge. Außerdem Herumrollen, einander jagen sowie sexuelle Verhaltensweisen, Annäherungen zweier Individuen bis auf eine Körperlänge oder direkter Körperkontakt.

Ruhen: Die Wale treiben für mehrere Minuten bewegungslos an der Wasseroberfläche oder schwimmen langsam in engen Gruppen, wobei sie in regelmäßigen Abständen auf- und abtauchen. Ruhende Wale sollten nicht gestört werden.

Kommunikation: Schwertwale sind hinsichtlich ihrer sozialen Interaktion, Navigation und dem Auffinden von Beute auf Lautäußerungen angewiesen. Aus diesem Grunde produzieren sie eine Vielzahl an Lauten:

Klicks werden überwiegend zur Echo-Ortung verwendet.
Pfeiftöne treten auf, wenn sich die Wale in unmittelbarer Nähe zueinander befinden, stereotype Pfeiftöne könnten für die Koordination in geringem Abstand und die soziale Interaktion bedeutsam sein.
Rufe werden sowohl für die Kommunikation auf naher als auch auf weiter Distanz genutzt. Rufe sind stereotyp pulsierende Geräusche, die häufig anhand von zwei unabhängig modulierten Frequenzen charakterisiert sind:

Einer tiefen Frequenz (LFC), deren intensivstes Spektrum unter 10 kHz liegt sowie einer höheren Frequenz (UFC), die aus einer Basisfrequenz rangierend zwischen 2 und 12 kHz sowie Nebenfrequenzen mit bis zu 100 kHz besteht.

Sie produzieren darüber hinaus Summ- und Quiek-Laute im mittleren Frequenzbereich, oftmals von Rufen begleitet.

Mehr Info:

“Vocal repertoire of two matrilineal social whale species:
Long-finned Pilot whales (Globicephala melas) and Killer whales (Orcinus orca) in northern Norway”, Heike Vester
2017 University of Goettingen, Germany

Sanfte Walbeobachtungen (Whale watching)

Bedrohungen: Walfang (Indonesien, Grönland), Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen oder Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung, Fang/Gefangenschaft

Langflossen-Grindwal

Globicephala melas

Norwegen: Entlang der gesamten norwegischen Küste anzutreffen, regelmäßige Sichtungen im Vestfjord. Von Mai bis September anlässlich Fortpflanzung und Nahrungsangebot vermehrt in ihren Gruppen anzutreffen

Gruppenformation: Matrifokale Gruppen von 5-15 Tieren sowie matrilinear strukturierte Gruppen von 50-200 Tieren
Größe: Männchen 7,8 m, Weibchen 5,8 m, Neugeborenes 1,8 m 
Gewicht: Männchen 2,3 t, Weibchen 1,3 t, Neugeborenes 100 kg 
Alter: Männchen 40 Jahre, Weibchen 60 Jahre
Geschlechtsreife: Männchen 12-15 Jahre, Weibchen 6-15 Jahre
Trächtigkeit: 12-15 Monate (alle 3 bis 5 Jahre) 
Säugezeit: 27 Monate und länger (bis zu 10 Jahre)
Nahrung: Tintenfisch (cephalopods) und einige Fischarten
Verbreitung: Zwei Subspezies, beheimatet im Nordatlantik (Globicephala melas melas), anzutreffen bis zum 68. Grad nördlicher Breite (68° N) sowie auf der südlichen Hemisphäre (Globicephala melas edwardii), anzutreffen zwischen dem 19. und 60. Grad (19° S bis 60° S). Keine Überschneidung mit Kurzflossen-Grindwalen in den wärmeren Gewässerzonen
Norwegen: Entlang der gesamten norwegischen Küste anzutreffen, regelmäßige Sichtungen im Vestfjord. Von Mai bis September anlässlich Fortpflanzung und Nahrungsangebot vermehrt in ihren Gruppen anzutreffen
Schutzstatus: Data Deficient ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Bedrohungen: Walfang (Faröer, Japan, Grönland), Meeresverschmutzung durch Chemikalien und Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen, Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung, Fang/Gefangenschaft 

Zwei Videoaufzeichnungen von Grindwalen, entstanden im Vestfjord, im Rahmen unserer Forschungstouren:
Seismische Untersuchungen, welche der Suche nach Öl-, Gas- und Mineralienvorkommen dienen, stellen heutzutage eines der größten Probleme in den Ozeanen dar. Während der Sommermonate, wenn die Norwegische Küste Treffpunkt vieler Wale zu Fütterungs- und Fortpflanzungzwecken ist, finden beispielsweise dort parallel unzählige seismische Messungen statt. Diese verursachen extremen Lärm mit verheerenden Auswirkungen. Auf Meeressäuger können die produzierten Schallwellen (bis zu 260 dB) nicht nur vertreibend wirken, sondern auch direkte tödliche Auswirkungen haben. Wahrnehmbar sind sie noch über eine Distanz von 3000 km!
Dieses Video vermittelt einen Eindruck seismischer Messungen, welche in einer Entfernung von 300-500 km zu den sich im Vestfjord befindenden Grindwalen stattfanden.

Atlantischer Weißseitendelphin

Lagenorhynchus acutus
Norwegisch: Kvitkjeving

Norwegen: Entlang der norwegischen Küste, hauptsächlich im nördlichen Teil, regelmäßige Besucher im Vestfjord, hier insbesondere von Juni bis September aufgrund des Makrelenvorkommens anzutreffen, keine Überschneidung mit dem Atlantischen Weißschnauzendelphin, häufige Sichtungen in Gesellschaft von Grindwalen

Gruppenformation: Soziale Gruppen/Spaltungs- und Fusionsgruppen von 30 bis zu 500 Tieren 
Größe: Männchen 2,8 m, Weibchen 2,4 m Neugeborenes 1,2 m
Gewicht: 180-230 kg
Alter: Männchen 22 Jahre, Weibchen 27 Jahre
Geschlechtsreife: Männchen 7-11 Jahre, Weibchen 6-12 Jahre
Trächtigkeit: 11 Monate
Nahrung: Atlantischer Hering (Clupea harengus), Makrele (Scomber scombrus), Dorsch (Gadus morhua), Stinte (Osmeridae spp.), Sandaale (Ammodytidae spp.), Silberhecht (Merluccius bilinearis), Seehecht (Urophycis chuss), Kopffüßer, überwiegend Nordamerikanischer Tintenfisch (Loligo pealeii) sowie mehrere Arten der Kalmare (Teuthida spp)
Verbreitung: Endemisch im Nordatlantik von kalt gemäßigten bis hin zu subpolaren Gewässerzonen, vom 35. Grad nördlicher Breite (35° N) nach Westen, bis zur Küste der Bretagne im Osten, Richtung Norden bis Südgrönland, Island und dem südlichen Svalbard. Ganzjährige Sichtungen in den tieferen Arealen der Nordsee.
Während der wärmeren Jahreszeit zieht es sie in die nördlichen Breitengrade und näher an die Küste als in den Wintermonaten. Diese verbringen sie fernab jeder Küste im offenen Meer.
Anzutreffen sind die ausschließlich im Meer lebenden Tiere in Schelfnähe, unweit von Hängen und Bergen sowie vermehrt in tieferen Gebieten mit ausgeprägtem Meeresrelief. Teilweise auch an der Küste, Fjorde und Meeresarme miteingeschlossen.
Die Grenzen ihrer nördlichen Verbreitungsgebiete sind noch weitgehend unbekannt
Populationsgröße: > 100.000
Schutzstatus: Least Concern ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Bedrohungen: Walfang (Faröer, Ostkanada, Grönland), Umwelt- bzw. Meeresverschmutzung (durch Plastikmüll), menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen, Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Diese Videoaufzeichnung von 2014 zeigt erstmalig Aufnahmen des Atlantischen Weißseitendelphins bei der Makrelenjagd in Norwegen!

Seit 2006 erforschen wir ihre Migrationszüge, ihre Verbreitung sowie ihr Fress- und Sozialverhalten. Dazu dient nicht nur das Fotografieren und Archivieren der Aufnahmen für die Photo-Identifikationskataloge als Forschungsgrundlage, sondern auch das Aufnehmen ihrer Laute, um anhand weiterer Kommunikationsstudien Rückschlüsse auf ihr Lautrepertoire tätigen zu können.
Die Spezies der Nordnorwegischen Atlantischen Weißseitendelphine ist noch weitgehend unerforscht, sodass wir als eine der Ersten Einblicke in ihre Biologie erhalten können.
Im Rahmen einer Basisstudie wurden bereits Karten ihrer Verbreitungsgebiete sowie ein Photo-ID-Katalog wiederholt gesichteter Individuen erstellt, um herauszufinden, ob diese Gegend eine lokale Population beheimatet.
Zudem ist die Katalogisierung des gesamten Lautrepertoires dieser Delfine geplant, in welchem die verschiedenen Laute beschrieben werden, bevor eine noch detailliertere Analyse der von ihnen produzierten Pfiffe und Rufe erfolgt.
Um die gesamte Population erfassen zu können, sind wir mangels Sichtungen jedoch auch auf die Hilfe anderer angewiesen, welche uns mit Berichten zu und Fotos von erfolgreichen Sichtungen unterstützten können.
Der Atlantische Weißseitendelphin ist durch den gelben Streifen, welcher seine Seiten schmückt, sehr leicht identifizierbar.
Informationen über Sichtungen des Atlantischen Weißschnauzendelphins (“kvitnos”) sind jedoch gleichermaßen willkommen, da es bislang den Anschein hatte, als würden die Verbreitungsgebiete beider Spezies nicht überlappen.
Bitte informieren Sie uns also von Ihren Sichtungen und teilen Sie gern Ihre Bilder und Videos mit uns!
Beteiligte Personen/Mitwirkende:

Atlantischer Weißschnauzendelphin

Lagenorhynchus albirostris

Norwegen: Entlang der norwegischen Küste, Barentssee. Keine Überschneidung mit dem Atlantischen Weißseitendelphin. Seltene Sichtungen im Vestfjord (ein einziges Mal in 10 Jahren!)

Gruppenformation: Soziale Gruppen/soziale Spaltungs- und Fusionsgruppen (Gruppengröße 5-50)
Größe: Männchen 3 m, Weibchen 2,3 m, Neugeborenes 1 m
Gewicht: 180-350 kg, Neugeborenes 40 kg
Alter: unbekannt
Geschlechtsreife: 7-12 Jahre
Trächtigkeit: 11 Monate
Nahrung: Fisch, zum Beispiel Hering, Makrele, Tintenfisch
Verbreitung: Endemisch im Nordatlantik, kaltgemäßigte bis subpolare Gewässer: von der  östlichen Nordküste Frankreichs bis hoch nach Süd-Grönland, Island und Svalbard (Spitzbergen)
Norwegen: Entlang der norwegischen Küste, Barentssee. Keine Überschneidung mit dem Atlantischen Weißseitendelphin. Seltene Sichtungen im Vestfjord (ein einziges Mal in 10 Jahren!)
Populationsgröße: > 100.000
Schutzstatus: Least Concern ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Bedrohungen: Walfang (Färöer, Ost-Kanada, Grönland), Meeresverschmutzung durch Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen, Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Schweinswal

Phocoena phocoena

Norwegen: Lokale Populationen, anzutreffen in den Fjorden entlang der gesamten norwegischen Küste, ganzjährige Sichtungen mehrerer Individuen im Vestfjord 

Gruppenformation: Solitär lebend (Mutter-Kalb-Paare) 
Größe: 1,4-1,9 m, Neugeborenes 0,67-0,85 m 
Gewicht: Männchen 61 kg, Weibchen 76 kg, Neugeborenes 6-10 kg 
Alter: 10 Jahre
Geschlechtsreife: Weibchen 3 bis 4 Jahre
Trächtigkeit: 11 Monate
Nahrung: Kleinere Schwarmfische wie Heringe, Kapelan oder Sprotten
Fressfeinde: Kegelrobben, Große Tümmler, Schwertwale
Verbreitung: Nordatlantik, -pazifik und Schwarzes Meer, bevorzugen gemäßigte und subpolare Gewässer, anzutreffen in Fjorden, Buchten, Mündungen und Häfen, mehrere Unterarten
Populationsgröße: > 100.000 
Schutzstatus: Least Concern ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Bedrohungen: Walfang (Faröer, Grönland), Meeresverschmutzung durch Chemikalien und Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen, Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Kegelrobbe

Halichoerus grypus

Norwegen: Kleine Kolonien entlang der Küste, geringe Anzahl an Sammelplätzen im Sommer sowie an Brutstätten in den Wintermonaten auf den Lofoten, 5 bis 10 Tiere alljährlich anzutreffen auf einer kleinen Insel bei Henningsvaer während der Sommerzeit

Gruppenformation: Gesellig, in Gruppen lebend 
Größe: Männchen 2,5-3,3 m, Weibchen 1,6-2 m, Neugeborenes 0,9-1,05 m 
Gewicht: Männchen 170-310 kg, Weibchen 100-190 kg, Neugeborenes 10-18 kg 
Alter: Männchen 25 Jahre, Weibchen 35 Jahre
Geschlechtsreife: Männchen 8-10 Jahre, Weibchen 3-5 Jahre
Trächtigkeit: 11 Monate (Nachwuchs: September-November)
Nahrung: Fisch und Wirbellose (Generalist)
Verbreitung: Drei Populationen, Nordost- und Westatlantik, Kolonien entlang der US- sowie Kanadischen Küste, UK, Irland, Island, Norwegen und Ostsee
Populationsgröße: ca. 50.000
Schutzstatus: Least Concern ver 3.1, Populationsentwicklung: steigen
Bedrohungen: Robbenjagd (Norwegen, Schweden, Finnland), Meeresverschmutzung durch Chemikalien und Plastikmüll, Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Walross

Odobenus rosmarus

– seltene Gäste auf den Lofoten!
Norwegen: Lokale Walrosskolonien sind mittlerweile ausgerottet, ausschließlich männliche Tiere ziehen gegenwärtig während der Sommermonate an die Norwegische Küste und werden ab und an gesichtet. Weibchen und Jungtiere verlassen die in der Arktis (Svalbard) gelegenen Kolonien jedoch nicht.

Innerhalb der letzten 10 Jahre haben wir lediglich zwei Walrosse auf den Lofoten gesichtet, von denen ein Tier starb – durch einen tödlichen Schuss der dort ansässigen Lachsfischereien – und das, obwohl Lachs nicht in das Nahrungsspektrum der Walrosse gehört!

Gruppenformation: Gesellige Gruppentiere 
Größe: 2,2 – 3,6 m, Neugeborenes 1-1,4 m 
Gewicht: Männchen 900 kg, Weibchen 400-560 kg, Neugeborenes 33-80 kg 
Alter: 40 Jahre
Geschlechtsreife: Männchen 15 Jahre, Weibchen 7-8 Jahre
Trächtigkeit: 15-16 Monate (Nachwuchs: April bis Juni, alle 3 Jahre) 
Säugezeit: 1 bis 5 Jahre
Nahrung: Mehr als 60 Arten unterschiedlicher Meeresorganismen wie beispielsweise Garnelen, Krabben, Bartwürmer, Weichkorallen, Manteltiere, Seegurken sowie Weichtiere und sogar Teile anderer Flossenfüßer, bevorzugt werden jedoch Muscheln (Venusmuschel)
Verbreitung: Die Atlantische Population ist, mit 8 Subgruppen, im kanadisch-arktischen Archipel über Grönland und Svalbard bis hin zur arktischen Küste im Westen Russlands beheimatet.
Populationsgröße: Atlantisches Walross < 20.000 
Schutzstatus: Data Deficient ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Bedrohungen: Robbenjagd (indigene Gruppen), Tourismus, Verschmutzung der Meere durch Chemikalien und Plastikmüll, Verfangen in Fischernetzen, Überfischung, Erderwärmung

Seehund

Phoca vitulina

Norwegen: Kleine Kolonien entlang der Küste, auf den Lofoten ausschließlich Sichtungen einzelner Tiere

Gruppenformation: Gesellig (auf Sandbänken) bis einzelgängerisch (im Wasser)
Größe: Männchen 1,9 m, Weibchen 1,7 m, Neugeborenes 0,65-1 m
Gewicht: Männchen 70-150 kg, Weibchen 60-110 kg, Neugeborenes 8-12 kg
Alter: Männchen 20-25 Jahre, Weibchen 30-35 Jahre
Geschlechtsreife: Männchen 6-7 Jahre, Weibchen 4-5 Jahre
Trächtigkeit: 10 bis 11 Monate
Nahrung: Fisch und Wirbellose (Generalist)
Verbreitung: Lokale Populationen im Nordatlantik und Nordpazifik, bevorzugen küstennahe Gewässer
Populationsgröße: 350.000 bis 500.000
Schutzstatus: Least Concern ver 3.1, Populationsentwicklung: stabil
Bedrohungen: Robbenjagd (Norwegen, UK, Island, Grönland, USA), Krankheiten, Verschmutzung der Meere durch Chemikalien und Plastikmüll, Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

Europäischer Otter oder Fischotter

Lutra lutra

Norwegen: Häufiges Vorkommen entlang der norwegischen Küste

Gruppenformation: Männchen solitär-territorial, Weibchen mit 1 bis zu 4 Jungtieren 
Größe: 0,57-0,95 m 
Gewicht: 7-12 kg 
Alter: 16 Jahre
Geschlechtsreife: Weibchen 2,5 Jahre
Trächtigkeit: 60-64 Tage (Paarungszeit: ganzjährig)
Nahrung: Großes Nahrungsspektrum (Fisch, Wirbellose), jeweilige bevorzugte Beute durch Muttertier übermittelt
Verbreitung: Meist verbreitete Otterart, in Teilgebieten Asiens und Afrikas sowie in Europa beheimatet
Populationsgröße: unbekannt 
Schutzstatus: Near Threatened ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt
Bedrohungen: Meeresverschmutzung durch Chemikalien und Plastikmüll, Verfangen in Fischernetzen, Überfischung

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